Brennnesseljauche selber machen: Schritt für Schritt zum kostenlosen Naturdünger
Brennnesseljauche ist einer der ältesten Naturdünger überhaupt — und einer der wirksamsten. Kostenlos, biologisch abbaubar und selbst hergestellt aus einem Kraut das in fast jedem Garten wächst. Kein Wunder dass sie in Gärtnerforen seit Jahrzehnten diskutiert wird.
In diesem Artikel erfährst du Schritt für Schritt wie du Brennnesseljauche ansetzt, wie lange sie ziehen muss, wie du den Geruch in Grenzen hältst — und für welche Pflanzen sie sich besonders eignet.
Was steckt in Brennnesseljauche?
Brennnesseln sind überraschend nährstoffreich. Brennnesseljauche enthält vor allem Stickstoff — den Nährstoff der für kräftiges Blattwachstum und allgemeine Vitalität zuständig ist. Dazu kommen Eisen, Kalzium und kleinere Mengen Kalium.
Das macht Brennnesseljauche zu einem ausgezeichneten Wachstumsdünger, besonders in der ersten Saisonhälfte wenn Pflanzen vor allem Blattmasse aufbauen. Für die Fruchtentwicklung — wo Kalium entscheidend ist — brauchen Starkzehrer wie Tomaten oder Erdbeeren dann zusätzliche Unterstützung.
Was du brauchst
- 1 kg frische Brennnesseln — möglichst vor der Blüte geerntet, dann ist der Nährstoffgehalt am höchsten
- 10 Liter Wasser — am besten Regenwasser, kein Leitungswasser mit Chlor
- Ein großes Gefäß aus Kunststoff oder Holz — kein Metall, das hemmt den Gärprozess
- Ein Stock zum Umrühren
- Ein Tuch oder luftdurchlässiger Deckel
Tipp: Brennnesseln mit Handschuhen ernten und grob zerkleinern — das beschleunigt den Gärprozess.
Schritt für Schritt: Brennnesseljauche ansetzen
- Schritt 1: Brennnesseln grob zerkleinern und in das Gefäß geben.
- Schritt 2: Mit 10 Litern Wasser übergießen. Das Verhältnis 1:10 (1 kg Brennnesseln auf 10 Liter Wasser) hat sich bewährt.
- Schritt 3: Gefäß abdecken — nicht luftdicht, die Jauche muss atmen können. Ein altes Tuch oder ein Deckel mit kleinen Öffnungen reicht.
- Schritt 4: Täglich oder alle zwei Tage umrühren. Das beschleunigt die Gärung und reduziert den Geruch.
- Schritt 5: Nach 1-3 Wochen ist die Jauche fertig — wenn sich beim Umrühren kein Schaum mehr bildet, ist der Gärprozess abgeschlossen.
- Schritt 6: Jauche durch ein altes Tuch oder Sieb filtern. Die festen Pflanzenreste kommen auf den Kompost.
Was gegen den Geruch hilft
Der Geruch ist das größte Argument gegen Brennnesseljauche — und ehrlich gesagt: er ist unangenehm. Aber es gibt ein paar Tricks:
- Gesteinsmehl beim Ansatz dazugeben — ein bis zwei Handvoll reduzieren den Geruch deutlich
- Regelmäßig rühren — Sauerstoff bremst die übelriechendsten Gärprozesse
- Gefäß weit weg vom Sitzbereich aufstellen — klingt banal, löst aber das Problem für die meisten
- Im Schatten lagern — direktes Sonnenlicht beschleunigt die Gärung und den Geruch
So wendest du Brennnesseljauche richtig an
Verdünnung: Immer 1:10 verdünnen — 1 Teil Jauche auf 10 Teile Wasser. Unverdünnt kann sie Wurzeln verbrennen.
Zeitpunkt: Morgens oder abends gießen, nie in der prallen Mittagssonne. Die Nährstoffe werden sonst zu schnell verdunstet.
Häufigkeit: Alle 1-2 Wochen während der Wachstumsphase. Im Herbst nicht mehr anwenden — zu viel Stickstoff verhindert die Einwinterung.
Anwendung: Von unten gießen, nicht über die Blätter — nasse Blätter sind anfälliger für Pilzkrankheiten.
Für welche Pflanzen eignet sich Brennnesseljauche?
Brennnesseljauche ist vor allem für stickstoffhungrige Starkzehrer geeignet:
- Tomaten — bis Mitte Juli, danach brauchen sie mehr Kalium als Stickstoff
- Gurken und Zucchini — profitieren stark von der Stickstoffversorgung in der Wachstumsphase
- Kohl — großer Stickstoffbedarf über die gesamte Saison
- Salat — schnelles Blattwachstum braucht Stickstoff
- Rosen — im Frühjahr zum Austrieb, nicht mehr nach Juli
Nicht geeignet für: Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen — sie fixieren Stickstoff selbst und brauchen keine zusätzliche Versorgung. Auch Zwiebeln und Knoblauch vertragen Brennnesseljauche schlecht.
Brennnesseljauche und Kalium — wo die Grenzen liegen
Ab Mitte der Saison verschiebt sich der Nährstoffbedarf vieler Pflanzen. Tomaten, Erdbeeren und Obstbäume brauchen dann weniger Stickstoff und mehr Kalium — für Fruchtaroma, Bissfestigkeit und Winterhärte.
Brennnesseljauche liefert dieses Kalium nur in begrenzten Mengen. Viele Gärtner kombinieren sie deshalb ab Juli mit kaliumreicheren Quellen — zum Beispiel Beinwelljauche oder getrockneten Kartoffelschalenmehl, das mit 2,08% Kalium zu den konzentriertesten natürlichen Optionen gehört und dabei geruchlos bleibt.
Häufige Fragen
Wie lange ist Brennnesseljauche haltbar?
Gut gefiltert und kühl gelagert hält sie sich mehrere Monate. In lichtgeschützten, luftdurchlässigen Behältern aufbewahren.
Kann ich auch andere Pflanzen für die Jauche verwenden?
Ja — Beinwell liefert mehr Kalium und eignet sich gut für die zweite Saisonhälfte. Auch Löwenzahn, Schachtelhalm und Rainfarn lassen sich gut kombinieren.
Funktioniert Brennnesseljauche auch für Balkonpflanzen?
Ja — 1:10 verdünnt ist sie auch für Töpfe und Kübel geeignet. Wegen des Geruchs lieber draußen anwenden und nicht in geschlossenen Räumen.
Muss ich Bio-Brennnesseln verwenden?
Nein — Wildbrennesseln vom Wegrand oder aus dem Garten sind ideal. Wichtig ist nur dass die Fläche nicht mit Pestiziden behandelt wurde.
Fazit
Brennnesseljauche ist ein bewährter, kostenloser Naturdünger der sich mit wenig Aufwand selbst herstellen lässt. Als Stickstofflieferant in der Wachstumsphase ist sie kaum zu schlagen. Wer seine Pflanzen später in der Saison auch mit Kalium versorgen möchte, kombiniert sie am besten mit einer kaliumreichen Ergänzung — für eine ausgewogene natürliche Versorgung über die gesamte Saison.
