Wintergemüse anbauen: Was jetzt noch in die Erde kommt und was du den ganzen Winter ernten kannst
Viele Gärtner räumen im Oktober ihre Beete leer und warten auf das Frühjahr. Dabei muss die Gartensaison im Herbst gar nicht enden. Mit den richtigen Sorten erntest du frisches Gemüse bis in den März hinein, oft genau dann, wenn im Supermarkt nur noch importierte Ware liegt.
Dieser Artikel zeigt dir, welches Wintergemüse du jetzt noch säen oder pflanzen kannst, welche Sorten du schon im Sommer hättest setzen müssen (und für nächstes Jahr vormerken solltest) und wie du deine Pflanzen gut durch Frost und Nässe bringst.
Was ist Wintergemüse eigentlich?
Als Wintergemüse gelten Gemüsearten, die niedrige Temperaturen gut vertragen und auch bei kurzen Tagen noch wachsen oder zumindest frisch im Beet stehen bleiben. Manche überstehen Minusgrade von minus 10 Grad und mehr, andere brauchen etwas Schutz durch Vlies oder ein Frühbeet.
Dabei lassen sich zwei Gruppen unterscheiden:
- Gemüse, das du im Herbst noch säst oder pflanzt, zum Beispiel Feldsalat, Winterportulak oder Knoblauch
- Gemüse, das im Sommer gepflanzt wird und im Winter erntereif ist, zum Beispiel Grünkohl, Rosenkohl, Lauch oder Pastinaken
Wer jetzt im Oktober startet, konzentriert sich auf die erste Gruppe. Die zweite Gruppe ist ein guter Grund, schon im Frühjahr an den Winter zu denken.
Wintergemüse, das du im Oktober noch säen oder pflanzen kannst
Feldsalat
Der Klassiker unter dem Wintergemüse. Feldsalat ist extrem frosthart und genügsam. Im Freiland kannst du ihn bis etwa Anfang Oktober säen, im Frühbeet, Hochbeet oder unter Vlies auch bis Ende Oktober. Geerntet wird je nach Aussaattermin vom Spätherbst bis ins Frühjahr.
Winterportulak (Postelein)
Noch wenig bekannt, aber ideal für die kalte Jahreszeit. Winterportulak hat zarte, leicht nussige Blätter und wächst auch bei niedrigen Temperaturen weiter. Aussaat bis Ende Oktober, am besten geschützt im Frühbeet oder Hochbeet. Nach sechs bis acht Wochen kannst du die ersten Blätter schneiden, danach treibt er immer wieder nach.
Winterspinat
Spezielle Wintersorten kannst du bis etwa Mitte Oktober säen. Je nach Witterung erntest du noch im Spätherbst oder die Pflanzen überwintern als kleine Rosetten und liefern im zeitigen Frühjahr die erste frische Ernte des Jahres.
Knoblauch und Winterzwiebeln
Oktober ist die beste Zeit, um Knoblauchzehen und winterharte Steckzwiebeln in die Erde zu bringen. Sie bilden vor dem Frost noch Wurzeln und starten im Frühjahr kräftig durch. Wie du dabei genau vorgehst, liest du in unserem Artikel über Knoblauch und Zwiebeln pflanzen.
Asiasalate
Mizuna, Senfkohl und Pak Choi wachsen schnell und vertragen Kühle gut. Unter einer Abdeckung kannst du sie im Oktober noch säen und nach wenigen Wochen junge Blätter ernten.
Kresse und Microgreens auf der Fensterbank
Wenn draußen gar nichts mehr geht, wächst drinnen trotzdem etwas. Kresse, Erbsensprossen oder Radieschen-Microgreens brauchen nur eine helle Fensterbank und sind in sieben bis vierzehn Tagen erntereif.
Wintergemüse für nächstes Jahr vormerken
Einige der robustesten Wintergemüse brauchen eine lange Wachstumszeit und müssen schon im späten Frühjahr oder Sommer ins Beet. Wenn du sie jetzt noch nicht hast, lohnt es sich, sie für die nächste Saison fest einzuplanen:
| Gemüse | Pflanzung | Ernte |
|---|---|---|
| Grünkohl | Juni bis Juli | Oktober bis Februar |
| Rosenkohl | Mai bis Juni | Oktober bis Februar |
| Winterlauch | Juni bis Juli | Oktober bis März |
| Pastinaken | Aussaat März bis Mai | Oktober bis März |
| Schwarzwurzeln | Aussaat März bis April | Oktober bis März |
| Wirsing (Wintersorten) | Juni bis Juli | November bis Februar |
| Zuckerhut | Aussaat Juni bis Juli | Oktober bis Dezember |
Grünkohl und Rosenkohl schmecken nach einigen kalten Nächten übrigens milder und süßer. Die Pflanzen lagern bei Kälte vermehrt Zucker ein, weil ihr Stoffwechsel langsamer wird.
So schützt du Wintergemüse vor Frost und Nässe
Die meisten Wintergemüse vertragen Kälte gut. Gefährlicher sind oft starke Kahlfröste ohne Schneedecke, Staunässe und ständiger Wechsel zwischen Frost und Tauwetter. Diese Maßnahmen helfen:
- Gartenvlies: Hält Frost und austrocknenden Wind ab, lässt aber Licht und Luft durch. Bei milden Tagen kurz abnehmen.
- Frühbeet oder Folientunnel: Schafft ein geschütztes Kleinklima und verlängert die Wachstumszeit deutlich.
- Mulch: Eine Schicht Laub oder Stroh schützt den Boden und die Wurzeln von Lauch, Pastinaken und Schwarzwurzeln.
- Hochbeet: Erwärmt sich schneller und ist besser drainiert als ein normales Beet. Wie du dein Hochbeet für den Winter vorbereitest, zeigen wir dir im Artikel über das Hochbeet winterfest machen.
Ein wichtiger Tipp zur Ernte: Ernte Blattgemüse nicht im gefrorenen Zustand. Gefrorene Blätter werden beim Auftauen schnell matschig. Warte lieber, bis die Pflanzen an einem frostfreien Tag aufgetaut sind.
Welche Nährstoffe braucht Wintergemüse?
Hier lohnt sich ein genauer Blick, denn im Herbst gilt: weniger ist oft mehr.
Blattgemüse wie Feldsalat, Spinat und Winterportulak sind Schwachzehrer. Ein Beet, auf dem im Sommer Tomaten oder Zucchini standen, hat meist noch genug Nährstoffe. Zu viel Stickstoff im Herbst ist sogar kontraproduktiv: Die Pflanzen bilden weiches Gewebe, das frostanfälliger ist, und Blattgemüse kann bei wenig Licht vermehrt Nitrat einlagern.
Kalium ist dagegen der eigentliche Winternährstoff. Es stärkt die Zellwände und reguliert den Wasserhaushalt in den Zellen. Gut mit Kalium versorgte Pflanzen kommen nachweislich besser mit Kälte und Frost zurecht. Woran du einen Mangel erkennst, erfährst du in unserem Artikel über Kaliummangel bei Pflanzen.
Für die Praxis heißt das:
- Vor der Aussaat etwas reifen Kompost leicht einarbeiten, das reicht für die meisten Wintergemüse völlig aus
- Starkzehrer wie Grünkohl, Rosenkohl und Lauch im Spätsommer mit einer kaliumbetonten Gabe unterstützen, im Winter selbst keine Nährstoffe mehr zuführen
- Abgeerntete Beete mit Mulch oder Gründüngung abdecken, statt sie offen liegen zu lassen
Eine natürliche Kaliumquelle ist getrocknetes Kartoffelschalenmehl. Unser Kartoffelschalenmehl vom Hof Schmeing in Rhede enthält laut Laboranalyse 2,08 % Kalium bei nur 1,37 % Stickstoff. Damit eignet es sich gut, um Beete im Spätsommer auf den Winter vorzubereiten, ohne die Pflanzen mit Stickstoff zu überversorgen. Ein Esslöffel pro Pflanze, leicht eingearbeitet, genügt.
Häufige Fragen zu Wintergemüse
Welches Wintergemüse kann ich im Oktober noch säen?
Feldsalat, Winterportulak, Winterspinat und Asiasalate kannst du im Oktober noch säen, am besten unter Vlies, im Frühbeet oder im Hochbeet. Knoblauch und winterharte Steckzwiebeln werden jetzt gesteckt.
Welches Wintergemüse ist am frosthärtesten?
Feldsalat, Grünkohl, Rosenkohl, Winterlauch, Pastinaken und Schwarzwurzeln vertragen auch starken Frost. Grünkohl hält je nach Sorte Temperaturen bis etwa minus 15 Grad aus.
Kann ich Wintergemüse im Hochbeet anbauen?
Ja, das Hochbeet ist dafür sogar besonders gut geeignet. Es erwärmt sich schneller, ist besser drainiert und lässt sich mit einem Aufsatz oder Vlies leicht in ein Frühbeet verwandeln.
Braucht Wintergemüse im Winter Nährstoffe?
Nein. Im Winter wachsen die Pflanzen kaum und nehmen wenig Nährstoffe auf. Wichtig ist eine gute Bodenvorbereitung vor der Aussaat oder im Spätsommer, vor allem mit Kalium für mehr Frosthärte.
Muss ich Wintergemüse im Winter gießen?
Nur selten. An frostfreien, trockenen Tagen kann es unter Vlies oder im Frühbeet aber nötig sein, etwas zu gießen. Staunässe solltest du unbedingt vermeiden.
Fazit
Wintergemüse anbauen lohnt sich: Mit Feldsalat, Winterportulak, Spinat und Knoblauch kannst du auch im Oktober noch starten und bis ins Frühjahr ernten. Grünkohl, Rosenkohl und Lauch solltest du für die nächste Saison schon im Frühjahr einplanen. Entscheidend sind ein geschützter Standort, eine zurückhaltende Nährstoffversorgung und eine gute Kaliumgrundlage für mehr Frosthärte. So bleibt dein Garten auch im Winter lebendig.
Mehr Tipps für die kalte Jahreszeit findest du in unserer Checkliste zum Garten winterfest machen.

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